... Belletristik im Winter 2004 ...
 
 
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Ayesta Julian - Helena oder das Meer des Sommers
Im nächsten Sommer ist seine Jugendfreundin Helena wieder am Meer. Die Kissenschlachten aus dem Vorjahr gehören endgültig der Vergangenheit an. Sehr zart und vorsichtig entwickelt sich beim gemeinsamen Sammeln von Schmetterlingen die erste Liebe.
"Helena oder das Meer des Sommers" ist ein kleines, feines Stück Literatur, das mit seinen brillanten Stimmungen und Farben den Leser gefangen hält.
 

Gabriel Barylli - Bis zur Unendlichkeit
Auf den ersten Blick entwickelt sich ein Liebesroman aus schlichter schwarz-weiß Sichtweise.
Vom Hotelportier bis zum Schulfreund sind alle vertreten.
Schwülstig und pathetisch kommen alle Liebhaber/innen, Bekannten des Paares vor.
Too much des Guten.
 

Fatou Diome - Der Bauch des Ozeans
Durch keine noch so scheußliche Geschichte von Männern, die eben nichts als Neger in Frankreich sind und obdachlos in der Fremde dahin vegetieren, lässt sich Diomes Bruder abschrecken. ER WILL NACH EUROPA.

Diome, die große Schwester, lebt in Frankreich und sie sieht das Ganze aus einer völlig anderen Perspektive.
 

Carlos Maria Dominguez - Das Papierhaus
"Das Papierhaus", für das der Autor Carlos María Domínguez mit dem Premio Lolita Rubial ausgezeichnet wurde, ist ein wunderbarer Schatz zwischen zwei Buchdeckeln.
Und dann der erste Satz: "Im Frühjahr 1998 kaufte Bluma Lennon in einer Buchhandlung von Soho eine alte Ausgabe der Gedichte von ....
 

John von Düffel - Houwelandt
"Eine Feier, die in Wirklichkeit niemand wollte, Jorge nicht und ihre Kinder auch nicht. ... Sie hatte bald sechzig Jahre an der Seite eines Mannes gelebt, der sich an seinem achtzigsten Geburtstag nichts Besseres vorstellen konnte als Schwimmen, Bergwandern und Beten."
"Houwelandt" ist ein großartiger Familienroman, erzählt mit einer sprachlichen Virtuosität und Präzision, die das Lesen zu einem besonderen Genuss erheben. Zum bloßen Verschlingen viel zu schade.
 

Chang-rae Lee - Turbulenzen
Die Geschichte, die der Koreaner Chang-rae Lee erzählt, ist sprachlich ein Glanzstück. Er entwickelt einen Sog, dem man sich als Leser nur schwer entziehen kann und der einen unmittelbar in das Leben der Personen hineinzieht. Man lebt geradezu einige Wochen zusammen mit der Familie Battles und ist traurig, wenn man sie, am Ende des Romans, wieder verlassen muss.
Um es auf den Punkt zu bringen: Wer das nicht liest, versäumt etwas.
 

Gabriel García Márquez - Erinnerung an meine traurigen Huren
"In meinem neunzigsten Jahr wollte ich mir zum Geburtstag eine liebestolle Nacht mit einem unschuldigen Mädchen schenken."
Der alte Mann, der in Liebe zu einer jungen Frau entbrennt, ist kein neues Motiv in der Literatur, doch der Nobelpreisträger Gabriel García Márquez beschreibt es voller Zauber.
 

Walter Moers - Die Stadt der träumenden Bücher
"Diese Geschichte war nicht lang, zehn handgeschriebene Seiten, aber ich habe nie, verstehst du, niemals in meinem ganzen Leben etwas nur annähernd so Vollkommenes gelesen."
So reist Hildegunst nach Buchhaim - in die Stadt der Bücher. "Buchhaim verfügte über fünftausend amtlich registrierte Antiquariate und schätzungsweise tausend halblegale Bücherstuben, in denen neben Büchern alkoholische Getränke, Tabak und berauschende Kräuter und Essenzen angeboten wurden, deren Genuss angeblich die Lesefreude und die Konzentration steigerten."
Muss man sonst noch etwas über dieses Buch sagen?
 

Toni Morrison - Liebe
Ein komplexes Familienporträt: Im Mittelpunkt steht der Patriarch Bill Cosey, der, obwohl schon vor vielen Jahren gestorben, noch immer das Leben der Hinterbliebenen bestimmt.
Für Toni Morrison trifft der Satz, "junge Leute können nicht verschwenderisch mit Worten umgehen, dazu haben sie zu wenig," den die Haushälterin notiert, überhaupt nicht zu. Mit ihrer virtuosen sprachlichen Brillanz bietet sie Literatur der Spitzenklasse.
 

Nicholas Sparks - Ein Tag wie ein Leben
Wilson Lewis vergisst den neunundzwanzigsten Hochzeitstag. Was dann geschieht ....
Nicholas Sparks ist dafür bekannt, dass die Gefühle in seinen Romanen an erster Stelle stehen, doch in "Ein Tag wie ein Leben" hat er ungeheuer dick aufgetragen
 

Robert Stone - Die Professorin
Kopfüber stürzt sich Michael in eine leidenschaftliche Affäre mit Lara. Als sie nach einem Jahr in ihre karibische Heimat zurück fährt, um an einer religiösen Zeremonie anlässlich des Todestages ihres Bruders teilzunehmen, kommt Michael auf ihren Wunsch als Begleiter mit.
Das Richtige für Leser, die Spaß am Abenteuer haben und Lust haben, Grenzen zu überschreiten und Wagnisse einzugehen.
 

Richard Wagner - Habseligkeiten
Eine Familie der kleinen Leute, die eigentlich nur in aller Ruhe als Bauern oder Handwerker ihren Unterhalt verdienen wollte, doch immer wieder rüttelte die Geschichte mit Kriegen und Unruhen ihr Leben durcheinander.
Geschickt verschränkt Richard Wagner, dessen eigene Familie ebenfalls aus dem rumänischen Banat stammt, die Erzählstränge der Gegenwart mit der Vergangenheit.
 

Martin Walser - Der Augenblick der Liebe
Als er eines Tages von Beate, einer jungen Doktorandin aus Amerika besucht wird, die ihn zu seinem Spezialgebiet, das Leben des französischen Philosophen La Mettrie befragen möchte, ist Zürn geschmeichelt.
In seinem Roman "Der Augenblick der Liebe" ergeht sich Walser, der sonst so viel Wert auf die Feinheiten der Sprache legt, in einer doch eher bemüht wirkenden Altherren-Prosa in der Beschreibung eines Seitensprungs.
 

Roger Willemsen - Gute Tage
R. Willemsen geht wieder einmal dem nach, was er offenbar am liebsten tut: Er ist unter Menschen - bei Harald Schmitt, bei Arafat oder auch Margret Thatcher.
Das Schönste bei Roger Willemsens Begegnungen ist die persönliche Atmosphäre, die er für den Leser einfängt, wenn er beispielsweise beschreibt, dass John le Carré den "Guardian" prinzipiell gefaltet und nicht gerollt unter dem Arm trägt
 


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        © Manuela Haselberger