... Belletristik im Frühjahr/Sommer 2004 ...
 
 
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Jimmy Carter - Die Rebellen
Die beiden Brüder Ethan und Henry Pratt hält nichts in der väterlichen Schuhmacher-Werkstatt in Philadelphia. Sie suchen ihr Glück in North Carolina. Hier gibt es genug Land und mit ihren Frauen bauen sie sich eine neue Existenz auf.
Jimmy Carter (Ex-Präsident) breitet die Geschichte seines Landes in einem riesigen Panorama aus: Er beschreibt das alltägliche, mühsame Leben auf der Farm, die Religion der Quäker, ....
 

Zvi Jagendorf - Die fabelhaften Strudelbakers
"Niemand war in Wien geblieben. Die Familie hat sich auf London und Tel Aviv verteilt. Wolfy war hier in London, zusammen mit seiner Mutter und seinem Vater, Onkel Mendl, Tantie Rosa und Bernhard, seinem Cousin. Sie alle waren unglücklich, denn sie waren Flüchtlinge. Manche hielten sie sogar für Spione, doch eigentlich glichen sie eher Waisenkindern."
Zvi Jagendorf, 1936 in Wien geboren, gelang gleich mit diesem ersten Roman ein sensationeller Erfolg - die Nominierung für den Booker Prize und die Auszeichnung mit dem Wingate Prize sprechen für sich.
 

Sarah Khan - Eine romantische Maßnahme
Der amerikanische Student William erlebt eine Zeit des Umbruchs in Deutschland, als er 1989 in Heidelberg studiert.
Ein zeitgeschichtliches Porträt "An Englishman in Heidelberg", die Schwulen-Szene und unverbesserliche Alt - Nazis geistern immer noch herum.
 

Marc Levy - Sieben Tage für die Ewigkeit
Es ist ein geschätztes Sujet in der Literatur, der Pakt zwischen Gott und Teufel. Die moderne Version handelt in San Francisco, verpackt in Immobilienspekulationen und Gasexplosionen. Und natürlich kommt die Liebe nicht zu kurz.
"Sieben Tage für die Ewigkeit" erzählt eine bittersüße Liebesgeschichte mit bekannten Versatzstücken, die ohne langanhaltende Wirkung konsumiert werden kann.
 

Henning Mankell - Das Auge des Leoparden
In der Reihe seiner Bücher über den schwarzen Kontinent "Der Chronist der Winde", "Die rote Antilope" nimmt dieser Roman eine ganz besondere Stellung ein.
In einer geschliffenen, sehr poetischen Sprache erzählt Mankell über die Schwierigkeiten eines Europäers in Afrika heimisch zu werden. Einem Kontinent in Schräglage. "Heute sehe ich, dass die Welt Schlagseite bekommen hat, sehe die Armut und das Leiden."
 

Richard Powers - Der Klang der Zeit
Der Bogen der Geschichte spannt sich von den Jahren der Sklaverei, zu denen die Vorfahren Delias ins Land kamen, bis zur Gegenwart, und die Vielzahl der Geschichten reihen sich wie an einer Perlenschnur aneinander
"Der Klang der Zeit" ist ein großartiger Roman, der durch seine Komplexität besticht und einen Meilenstein in der Erzählliteratur setzt.
 

Viola Roggenkamp - Familienleben
Wie erging es Juden, die den Holocaust überlebt haben und die in den Nachkriegsjahren in Deutschland lebten? Wie war ihr Verhältnis zu ihrer Umwelt und wie haben sie ihre Kinder erzogen?
Viola Roggenkamp stammt selbst aus einer jüdisch - deutschen Familie und kennt die Verhältnisse, die sie beschreibt sehr genau, das spürt man deutlich bei der Lektüre.
 

Frank Schätzing - Der Schwarm
Nur eine Laune der Natur - oder braut sich tief im Meer wirklich eine Gefahr für die Menschheit zusammen?
Unkalkulierbare Faktoren scheinen sich zu häufen und es sieht so aus, als ob der Weg in eine gigantische Umweltkatastrophe unabwendbar wäre. Ein Horror - Szenario nimmt seinen Lauf. 1000 Seiten - eine brachiale Schwarte !
 

Dai Sijie - Muo und der Pirol im Käfig
Mit seiner wunderbaren Hauptfigur Muo, einem jungen Mann, der unmittelbar mit Don Quichotte verwandt zu sein scheint und voller Eifer angetreten ist, die Träume der Chinesen zu analysieren, dabei jedoch von einem Abenteuer ins nächste stolpert, unterhält Sijie seine Leser köstlich.
Für sein zweites Buch "Muo und der Pirol im Käfig" wurde Sijie sogleich nach Erscheinen mit dem französischen "Prix Femina" ausgezeichnet.
 

Jonathan Stroud - Bartimäus - das Amulett von Samarkand
Das Abenteuer um das Amulett von Samarkand ist beileibe nicht nur eine Story für junge Leser. Auch die Erwachsenen, die mit Hingabe Harry Potter verschlungen haben, werden bereitwillig die weiteren Abenteuer von Bartimäus verfolgen.
Jonathan Stroud öffnet eine unglaublich reich bestückte Trickkiste. Sein Einfallsreichtum scheint grenzenlos. Gespannt verfolgt der Leser den magischen Zauber seiner Geschichte.
 

Martin Suter - Lila, lila
Für Marie ist der junge, unbeholfene Kellner, der heimlich in seinen stillen Stunden wunderschöne Liebesromane schreibt, schlicht eine Entdeckung. Geschäftstüchtig zögert sie nicht, die Geschichte dieses No - Names in der Literaturszene einem Verlag anzubieten. Mit Erfolg.
Doch als dann Jackie, ein alter Mann, der Davids Großvater ähnelt, in einer der Lesungen auftaucht und von sich behauptet, der wahre Autor von Davids Bestseller zu sein, wird die Situation prekär.
 

Markus Werner - Am Hang
Der Schweizer Autor Markus Werner erzählt in seinem schmalen Roman eine kunstvoll verschlungene Geschichte um die Tücken der Liebe.
Aus einem zunächst oberflächlichen Gespräch über die Unzulänglichkeiten des Lebens in der Gegenwart entwickelt sich eine Unterhaltung, die unter die Haut geht.
 

Urs Widmer - Das Buch des Vaters
Zum jungen Mann herangewachsen bleibt Karl zeitlebens ein Träumer, der in der Welt der Bücher zu Hause ist. Voltaire, Diderot, Coster - er übersetzt sie alle aus dem Französischen.
Faszinierend wie Urs Widmer seinen Vater (Karl) und sein Elternhaus beschreibt. Entstanden ist dabei ein wunderbares Porträt eines Schöngeists, der in vielen literarischen Welten seine Heimat fand.
 

Hong Ying - Die chinesische Geliebte
Im Jahre 1935 reist Julian mit dem Schiff nach China, um dort eine Professur für englische Literatur anzutreten. Er ist gespannt auf die chinesische Lebensart. "Er fühlte sich als neuer Kolumbus, Entdecker des sagenhaften Orients, wo die Straßen mit Gold gepflastert waren."
In China wurde der Roman auf den Index der verbotenen Schriften gesetzt, weil sich eine Frau, die in der chinesischen Geliebten, ihre Mutter wieder erkannt haben will, gekränkt fühlt und gegen "Ahnenverleumdung" klagt. Doch ein weiterer Grund des Verbots sind die pornografischen Schilderungen.
 


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        © Manuela Haselberger